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Warum ich nach meiner ersten Shiatsu-Behandlung wütend aus der Praxis rannte

Aktualisiert: 28. Sept. 2021

Meine allererste Bekanntschaft mit Shiatsu war, sagen wir mal … naja … eine Erfahrung der besonderen Art. Aber bevor ich dir diese Geschichte erzähle, möchte ich kurz ein paar Szenen zurückspulen. Es muss irgendwann im Sommer 2015 gewesen sein … . . Ich hatte Probleme mit meinem Allerwertesten. Ja, wirklich. Ich konnte kaum sitzen und hab beim Gehen ständig so einen komisch-undefinierbaren Schmerz verspürt. Mit meinen anfänglichen Versuchen, diesen Zustand als harmlos und vorübergehend abzustempeln, kam ich nicht weiter. Ich rannte von Arzt zu Ärztin und keine/r konnte irgendeine physische Unstimmigkeit feststellen. Das beruhigte mich einerseits, die Schmerzen wurden aber trotzdem nicht leiser. So versuchte ich selbst den möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen. . . Relativ unmittelbar, bekam ich einen ersten Hinweis. Ein Bild, das ohnehin ständig präsent war in meinem damaligen Leben. Ich hatte die Idee schon irgendwie im Hinterkopf, aber es schien mir keine logische Erklärung dafür zu geben. Mein damaliger Freund bekam zu jener Zeit die Diagnose Anal-Karzinom. . . Details zu dieser Herausforderung erspare ich dir, das ist eine andere Geschichte. Er hatte also Krebs und ich die Schmerzen. An exakt der gleichen Stelle. Die Schulmedizin konnte sich das nicht erklären. Mein Verstand ebenso wenig. Mein Forschergeist stolperte aber irgendwann über den Begriff „Empathie-Schmerz“. DAS IST ES, dachte ich. Ich liebte ihn so sehr, dass ich ihm seine Schmerzen nehmen wollte. (Obwohl er gar keine hatte Ja, ich weiß … nicht sonderlich schlau. Aber wie werde ich die Schmerzen jetzt wieder los? Es sind ja schließlich nicht meine … dachte ich … . . Ja und dann, habe ich irgendwo das Wort Shiatsu aufgeschnappt. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung was mich da erwarten würde. „Japanische Heilmassage“ hat Google ausgespuckt. Klingt gut, da muss ich gar nicht weiter recherchieren. Dann lass ich mir die Schmerzen halt wegmassieren. Passt. . . Ein paar Tage später lag ich auch schon auf einem Futon am Boden, bei einer mir unbekannten Shiatsu-Praktikerin: Rückenlage. Mit geschlossenen Augen. Wartend. Wartend. Wartend. Ich kann mich noch so gut an jeden einzelnen Gedanken erinnern: „Hmm … hat die Behandlung schon begonnen? Ähm, okay … das Vorspiel dauert aber lang. Kann die mich vielleicht einfach mal ordentlich anfassen? Glaubt die allen Ernstes, dass dieses zarte Händchen mein Problem lösen wird? … Hey, ich hab massive Schmerzen und die kommt daher mit ihren Streicheleinheiten? Echt jetzt? Und dafür zahl ich Geld? Oidaa … die meint das wirklich Ernst?!? …“ . . Ich kochte vor Wut. Ließ mir aber in der Praxis noch nichts anmerken. Die Session dauerte gefühlte 17 Stunden und ich war danach so wütend, wie selten zuvor in meinem Leben. Am nach Hause Weg habe ich geschrien und geweint. Die mitleidend-irritierenden Blicke auf der Straße waren mir egal. Was hat die mit mir gemacht? Warum fühl ich mich so elend? Oh, ich suhlte mich richtig in einem Bad voller Selbstmitleid. . . Nichtsahnend, dass das gerade ein super prägendes und wichtiges Erlebnis für mich war, kam ich irgendwann wieder zur Ruhe. Es wurde still um mich. Ich bemerkte, dass sich etwas in mir verändert hatte. Ich fühlte mich anders. . . Meine Verwirrung war groß, als ich bemerkte, dass … Kann es tatsächlich sein, dass … Naaa … Das ist sicher alles Zufall …

Ich habe in meinem Grant nicht bemerkt, dass mein Empathie-Schmerz mit vorbildhafter Abwesenheit glänzte. Wauh. Ist das denn möglich? Ich lauf wochenlang mit diesen Schmerzen herum und dann geh ich einmal zum Shiatsu und alles ist wie weggeblasen? Echt jetzt? „Was hat die Praktikerin tatsächlich mit mir gemacht?“ fragte ich mich leicht beschämt, mit peinlich-gesenktem Kopf an meinen Wutausbruch denkend. . . Die Schmerzen kamen nie wieder zurück. Fragezeichen blieben bestehen. Die Erfahrung ließ mich nicht mehr los. Ich wollte mir das mit dem Shiatsu also nochmal genauer ansehen. Schließlich wusste ich ja bereits, dass ich keine klassische Massage erwarten durfte. . . Die zweite Session verlief dann schon viel, viel sanfter in meinem Inneren. Und die weiteren 17 Behandlungen waren sowieso super wertvoll. Es hat sich viel in mir gelöst. Um den Empathie-Schmerz ging es gar nicht mehr. Der verpasste mir nur den nötigen Arschtritt, dass ich dorthin gehe. Ja, Schmerzen machen sowas manchmal. . . Übrigens, Shiatsu hat nichts mit Streicheleinheiten zu tun. Das war lediglich meine damalige Interpretation aus der Wut heraus. Falls du dir jetzt denkst, ich geh sicher nicht zum Shiatsu um danach auch mit so einer Wut konfrontiert zu werden … kann ich dich gut verstehen. Aber die Wut, hat mich wieder zu mir gebracht. Rückblickend und in Wahrheit, war ich bloß so wütend auf mich selber, weil ich die Krebs-Diagnose meines Freundes wichtiger nahm, als mich selbst. Weil ich mir weniger wert war, als er mir. Weil ich dachte, ich könnte ihm seinen Schmerz nehmen, dann wäre alles gut… . . Ja, so ticken wir Menschen manchmal. Shiatsu hat mir meine Selbstfürsorge zurückgeschenkt. Ich kann nur für meine Liebsten da sein, wenn meine eigenen Energiereserven gut gefüllt sind. Mit Shiatsu fühlt sich mein Körper wohliger an, ich fühl mich vitaler und klarer im Kopf. Ich spür meine Kraft und bin voller Energie. Und in diesem Zustand, komme ich meinem schöpferischen Wesen so nahe, dass ich mir alles erschaffen kann, was ich mir von ganzem Herzen wünsche.

Das wünsche ich auch DIR! Deine Susanne

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